Heilige Elisabeth Annweiler

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November
Verloren friert der Mond im fahlen Blau
Des dämmernden Novemberhimmels ganz allein.
Kein Sternlein tröstet ihn. Irr flackt ein fahler Schein
Durchs traurige Gewirr der fast entlaubten Äste:
Der alten Eiche falln die Abendgäste,
Die grauen Krähn, ins ausgestorbne Haus.
Erzählen sich vom letzten Leichenschmaus
Und ziehn dann krächzend in ihr Nachtquartier
In langen Flügen durchs Revier.
Fern grenzt der Wald, ein schwarzer Strich, das Land,
Verschwimmend, bis sich Erd- und Himmelswand
Gespensterhaft im Schattenschoß verbinden.
Kein Hauch bewegt die Luft. Nur leise nahen, schwinden,
Verworrene Laute, Klagen der Natur,
Die auf des Sommers toter Spur
Ihr Witwenkleid mit müden Schritten schleift,
Vom weißen Licht schwermütigen Monds bereift.
Zu ihren Füßen unterm Nebel springt
Der bange Bach wie auf der Flucht und weint,
Weil bis zu ihm der stille Freund nicht dringt,
Mit dem er nächtens gern im Liebesspiel sich eint.
Ach, gestern fand ich dort,
Wo er durch Wiesen biegt
Und unterm Weidenbusch sich wie ein Schlänglein schmiegt,
Noch eine Blume am versteckten Ort
Und fand ein ausgebleichtes Endchen Band,
Womit ich Sommers dort ein zärtlich Kränzchen wand.
Für wen? Es schwamm hinab auf ungewisser Welle.
Schlecht träumt sichs heut von Licht und Helle.
Der kalte Nebel steigt und spinnt das Herz in Trauer.
- Novemberschauer.
Gustav Falke
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